Hier eine Predigtgeschichte aus meinem aktuellen Buch: Herr P. träumt von einer neuen Welt (Manuela Kinzel Verlag)

Ein echtes Gebet
(Joh 16,23-33)

Seit Herr P. seine neue Stelle als Teamleiter angetreten hatte, war er wirklich im Stress. Während seine Mitarbeiter – kaum zu Überstunden bereit – pünktlich in den Feierabend und in das Wochenende gingen, hatte er nun die Verantwortung, dass alles funktioniert und rechtzeitig fertig wird. So saß er oft lange im Büro und versuchte das Liegengebliebene allein nachzuarbeiten.
Bisher hatte sein Teamleiter ihn immer zu Überstunden verdonnert und nun, wo er endlich im zweiten Anlauf selbst Teamleiter geworden war, wollte er das besser machen. Aber statt, dass ihm die anderen im Team dankbar waren und sich anstrengten, alles termingerecht zu erledigen, hatte er den Eindruck, dass sie die Zeit geradezu verbummelten. Sie machten längere Kaffeepausen und stritten über den Abwasch in der Büroküche.
Und so saß Herr P. schließlich – wieder nur – er allein jeden Tag länger am Schreibtisch und auch am Wochenende noch lange an den wichtigen Aufträgen.
Aber statt eines Wortes der Anerkennung wurde er zu seinem neuen Chef zitiert. „Ihr Team hängt im Zeitplan P.. Sehen Sie gefälligst zu, dass Sie das Projekt wieder in den Griff bekommen!“, meckerte der Chef. „Aber, nächste Woche ist doch der Feiertag. Das ist doch gar nicht zu schaffen.“ Entgegnete Herr P. Doch der Chef sagte nur: „Lernen Sie endlich sich durchzusetzen!“ Herr P. war stinkwütend.
Eigentlich hatte er sich auf das Wochenende gefreut, da wurde die Tochter einer guten Freundin getauft und er durfte Taufpate werden. Was für eine Verantwortung, sich mit um das Aufwachsen und das Glaubensleben eines jungen Menschen kümmern zu dürfen. Und, was für eine Freude, auf diese Weise nochmal besonders mit der Familie verbunden zu sein!
Aber Herr P. konnte das alles gar nicht richtig wahrnehmen. Er bereute vor allem, dass er sich vollmundig bereit erklärt hatte, die Fürbitten in dem Gottesdienst zu übernehmen.
Die Kinder waren zum Glück den ganzen Tag bei seinen Eltern.
Und so saß er nun, am Samstag, bei strahlend blauem Himmel und bestem Wetter – an einem kinderfreien Samstag – während alle anderen im Freibad, im Park, am Grill oder sonst wo waren und suchte nach Worten. „Lieber Gott“ begann er. Nein das ist viel zu kindlich. „Allmächtiger, Allumfassender, Allschaffender“ – nein, das wirkt wieder zu hochtrabend. Und so blinkte der Cursor über „All-“, während Herrn P. der Grillduft des Nachbarn durch das angekippte Fenster in die Nase stieg. So kann sich doch kein Mensch konzentrieren. „Ich sollte erstmal die Nachrichten anschauen.“, dachte er, schließlich müssen die Fürbitten ja aktuell sein und, wenn nun gerade irgendeine Katastrophe…
Nachdem Herr P. alle Nachrichten gelesen, die Kommentarspalten studiert, 7 Artikel auf Facebook geliked, 4 Retweets auf Twitter geklickt und irgendwie auch 2 Stunden Poetryslams auf YouTube angesehen hatte, war er müde. Warum musste ausgerechnet er bei so schönem Wetter am Computer sitzen und sich Fürbitten ausdenken. Das kann doch der Pfarrer viel besser. Und überhaupt, irgendwie muss man ja auch mal rauskommen und frische Luft macht dem Kopf wider frei…
Herr P. beschloss mit seiner Frau mit den Fahrrädern nochmal zum Badesee zu fahren und dort wenigstens ein Fischbrötchen zu essen. Schließlich wollte er sich ja nicht das ganze Wochenende verderben. Nach drei Fischbrötchen und zwei Bier zum Abendbrot saß er wieder am Rechner. Als er spät abends seiner Frau, die schon im Bett lag, den Ausdruck vorlas, meinte sie nur: „klingt, als wolltest du eine Misswahl gewinnen: Weltfrieden und Gerechtigkeit und so…“ Das sind nun mal die wichtigen Themen und der Pfarrer formuliert es auch nicht besser.“, antwortete er verärgert.
Am nächsten Morgen, als die Familie in der Kirche saß, fing der Pfarrer an zu predigen. „Wenn ihr den Vater in meinem Namen um etwas bitten werdet, wird es euch gegeben werden.“ Hörte Herr P. und dachte: „Wie oft haben wir schon für Gerechtigkeit und Weltfrieden gebetet.“ Das muss doch nun wirklich in Jesu Namen und Sinn sein. Oder? Er griff nach dem Zettel mit der Fürbitte, der neben ihm lag.
Während er so nachdachte, hörte er kaum hin, als der Pfarrer ausführte, was es tatsächlich bedeuten würde, in Jesu Namen, dass heißt, wirklich in seinem Sinn zu leben und zu beten. Und weil Herr P. von der anstrengenden Woche und von der kurzen Nacht müde war, sank er auf die Kirchenbank und schlief ein.
Er begann zu träumen…
… Dann hörte er plötzlich seinen Wecker klingeln und fand sich in seinem Schlafzimmer wieder. Er kramte nach seinem Handy, konnte es aber nicht finden. Nachdem er im ganzen Haus gesucht hatte gab er schließlich auf. Dann ging er los, um Geld abzuheben. In der Bank angekommen erschrak Herr P.. Sein Konto war total leer geräumt. Er schaute immer wieder auf den Kontoauszug. Er konnte gar nicht glauben, dass da wirklich eine Null stand. In Panik griff er nach seinem Handy, um seine Frau anzurufen. Doch das war ja auch weg.
„Das muss sicher ein Fehler von der Bank sein“, versuchte er sich selbst zu beruhigen. Er beschloss, erstmal beim Bäcker an der Ecke mit dem letzten Bargeld, das er noch hatte, einen Kaffee zu kaufen und die Sache danach zu klären.
Beim Bäcker stand eine wütende Schlange. Alle schimpften. Die Kaffeepreise hatten sich über Nacht verdreifacht. Und während Herr P. anstand, fiel sein Blick auf die Zeitung. Dort stand in der Schlagzeile „Welthunger über Nacht gelöst, Ressourcen gerecht neu verteilt.“ „Na wenigstens eine gute Nachricht“, dachte Herr P..
Da wurde er von einem Fremden angesprochen: „Du hast den Zusammenhang noch nicht verstanden oder?“ „Welchen Zusammenhang?“, fragte Herr P..
„Na, dass das alles mit eurem Gebet in der Kirche zusammenhängt. Du hast doch auch mit gebetet, dass die Ressourcen in der Welt gerechter verteilt werden sollen. Was glaubst du, warum dein Handy weg ist. Glaubst du wirklich, dass die seltenen Erden, die darin verbaut sind, bei dir am gerechtesten verteilt sind?“ „Deshalb ist auch mein Konto leer?“ unterbrach Herr P.“ „Genau, entgegnete der seltsame Fremde. Wenn die Ressourcen gerecht verteilt sind, geht es nicht, dass die einen auf ein neues Auto sparen, während andere hungern. Ihr habt hier in Deutschland gelebt, als hättet ihr drei Erden zur Verfügung. Die Ressourcen, die ihr dem Planeten nachhaltig entnehmen konntet, waren schon am 2. Mai aufgebraucht. Alles weitere ging auf Kosten armer und zukünftiger Menschen. Aber das ist ja nun vorbei, dank deines Gebetes. Es wird sicher hart werden. Eure Ressourcen sind ja aufgebraucht für das Jahr. Aber einige in den ehemaligen armen Ländern haben noch etwas übrig. Vielleicht…“
„A…Aber, so war das mit dem Gebet doch gar nicht gemeint.“ stammelte Herr P..
Dann erinnerte er sich an den Zettel, mit der Fürbitte, den er immer noch in der Hand hielt und daran, wie er über die Erhörung seiner Gebete nachgedacht hatte.
Was würde es bedeuten, wenn Gott die Gebete wirklich so wörtlich erhören und umsetzen würde?
Wie wäre das, wenn Gott seinen Willen einfach so radikal durchsetzen würde?
Ob Gott wohl manchmal darunter leidet, dass wir so wenig nach seinem Plan fragen?
Im Namen Jesu beten, könnte zum Beispiel so etwas bedeuten, wie in Gottes Team einzutreten, die Verantwortung nicht bei anderen zu sehen, sondern bei sich selbst anzufangen.
In diesem Moment wurde Herr P. unsanft von einem Rippenstoß geweckt. „Mensch los, du bist dran. Fürbitten!“, hörte er es neben sich zischen.
Während die Kinder kicherten stolperte er nach vorne.
Er hielt sich den Zettel vors Gesicht, Schloss die Augen und begann zögerlich zu beten: „Lieber Gott, im Namen Jesu: Bitte vergib uns, dass wir es oft nicht ernst meinen, wenn wir für Frieden und Gerechtigkeit beten. Verzeih uns, wenn wir uns nur halbherzig für unsere Mitmenschen einsetzen. Sei geduldig mit uns, wenn wir auf Kosten deiner Schöpfung und anderer Menschen leben. Hilf uns zu erkennen, was wir verändern können. Lass uns kleine Schritte gehen und daran wachsen. Wir bitten dich auch für das heute getaufte Kind. Lass es gute Vorbilder im Glauben finden. Zeige ihm durch unsere guten Taten, aber auch durch unsere Fehler, was es heißt von dir zu lernen. Lass uns bei dir geborgen sein. Amen.“
Als er die Augen wieder öffnete, war es ganz still geworden.
Auf der Tauffeier und in den kommenden Tagen dachte Herr P. noch viel über seinen Traum und das Gebet nach. Jedesmal, wenn er den Motor beim Warten ausmachte, das Licht im Flur löschte, neu über sein Team nachdachte und versuchte, seine Gewohnheiten wenigstens in kleinen Schritten zu verändern, hatte sich sein Gebet wohl schon wieder etwas mehr erfüllt.

6 Rettungswesten der Mission Lifeline für Leipziger Kirchen

Eine Initiative aus Stadtökumenekreis und Innenstadtgemeinden setzt ein Zeichen für Seenotrettung im Mittelmeer.

Seit nunmehr über einem Jahr wird die Seenotrettung im Mittelmeer systematisch behindert und kriminalisiert. Die Folge ist, dass tausende Menschen sterben. Ein neuer trauriger Höhepunkt wurde am vergangenen Wochenende durch die Verhaftung der Kapitänin der Sea-Wach 3 Carola Rackete erreicht. Auch wenn Carola Rackete inzwischen wieder auf freiem Fuß ist, steht sie dennoch weiter unter Anklage, während das Sterben im Mittelmeer fortschreitet.

Wir als Christinnen und Christen in der Stadt Leipzig erklären uns solidarisch mit den Organisationen der Seenotrettung. Für uns sind die Pflicht zur Nächstenliebe und zur Mitmenschlichkeit, sowie alle Menschenrechte universell gültig. Sie dürfen niemals eingeschränkt, aufgeweicht oder sogar außer Kraft gesetzt werden!

Wir alle können in Situationen kommen, in denen wir Hilfe brauchen und gerettet werden müssen. Wir alle sind gleichermaßen betroffen, wenn Menschenrechte, Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe eingeschränkt werden sollen. Jeder Mensch in Not ist einer von uns! In unserer Kirche und Gesellschaft muss Platz für in Not geratene Menschen sein! Um dies deutlich zu machen und als Zeichen unserer Solidarität wird ab kommenden Sonntag in den Innenstadtkirchen jeweils eine Rettungsweste der Mission Lifeline in einer Kirchenbank liegen.

Die Rettungswesten sollen helfen, dass das Sterben im Mittelmeer nicht aus der öffentlichen Wahrnehmung gerät. Sie sollen dazu anregen, sich aktiv für humanitäre Hilfe einzusetzen.


Digitalisierung als Chance für einen neuen Blick auf Öffentlichkeitsarbeit und Außenwirkung Mein Beitrag für die Zeitschrift Gemeindepädagogik Praxis

Digitalisierung als Chance für einen neuen Blick auf Öffentlichkeitsarbeit und Außenwirkung

Zu meiner Konfirmation bekam ich von der damaligen Jungen Gemeinde eine Sonderausgabe der Junge Gemeindezeitung geschenkt, die einen lustig geschriebenen Glossar enthielt, der uns jungen Konfirmand*innen helfen sollte uns in der Gemeinde zurecht zu finden. Darin enthalten war auch die Erklärung für den „Schaukasten“: Dies käme von dem chinesischen Wort „Tschau kas ten“ und bedeute übersetzt: „Zusammenfassung der Ereignisse der letzten 3 Jahre.“ Als ich die Anfrage bekam, ob ich einen Beitrag zum Thema Digitalisierung und Öffentlichkeitsarbeit für diese Ausgabe schreiben kann, fiel mir diese satirische und selbstkritische Erklärung von damals wieder ein. Mir scheint, dass längst nicht alle Probleme, die uns als Kirche im digitalen Raum ausbremsen wirklich nur mit der Digitalisierung zusammen hängen. Wenn es darum geht unsere Außenwirkung kreativ, aktuell, originell und ansprechend zu gestalten, treffen wir nicht selten auf ähnliche Schwierigkeiten, wie sie uns auch im Analogen Bereich schon lange begleiten. Die Digitalisierung zeigt diese Probleme noch deutlicher auf als zuvor. Sie ist sicher eine Chance, insgesamt über Öffentlichkeitsarbeit und unsere Außenwirkung als Kirche neu nachzudenken. Dazu mögen auch die folgenden Thesen beitragen:

  1. Es geht nicht mal eben nebenbei! Öffentlichkeitsarbeit ist Arbeit. Sie braucht Ressourcen!
    Während kommerzielle Anbieter große Schaufenster haben und mit Schauwerbegestalterinnen einen ganzen Berufszweig beschäftigen gehen wir in der Regel davon aus, dass dies irgendwie nebenbei laufen muss. Nicht selten endet dies damit, dass dann in Schaukästen etwas vergilbte Blätter mit nicht ganz streifenfrei kopierten Veranstaltungsplänen hängen. Auch im digitalen Bereich ist es eine Frage, wie viel Wert wir auf unsere Außenwirkung legen und wie viele Ressourcen wir dafür einplanen. Hier entscheidet sich, ob auf der Internetseite noch der Vor-vor-gänger der aktuellen Pfarrerin steht oder, ob es aktuelle und ansprechende Social Media-Profile gibt. Hinter guten Online Auftritten steht eine ganze Reihe von kreativen Berufsfeldern (Fotografinnen, Designerinnen Webdesignerinnen etc.), deren Vertreterinnen sich in sozialen Netzwerken nicht zu Unrecht darüber beschweren, dass ihre Berufe nicht genug geachtet werden und sie zu viele Anfragen bekommen, bei denen sie ohne Bezahlung arbeiten sollen. Wann stehen diese kreativen Menschen genau so selbstverständlich in unseren Haushaltsplänen, wie Orgelbauerinnen, Restaurator*innen und andere Berufsfelder, die wir zu Erhaltung von Kulturgütern brauchen, die unsere Vorfahren einmal mit großem Aufwand geschaffen und mit Blick auf die Außenwirkung der Kirche generiert haben? Damit verbunden ist nicht zuletzt die Frage: Was werden heutige Generationen eigentlich an erhaltenswerter Kunst und Kultur hinterlassen?
  2. Ressourcen sollten geplant, aktiviert und bewusst eingesetzt werden.
    Ich bewundere, was Pfarrerinnen, Gemeindepädagoginnen und Ehrenamtliche zum Teil so ganz nebenbei an guten online Angeboten produzieren. Dennoch bin ich überzeugt, dass wir an dieser Stelle deutlich mehr Ressourcen einplanen und einsetzen sollten. Man kann nicht gleichzeitig vorne stehen, die Verantwortung für Veranstaltungen tragen und von hinten schöne Fotos und Videos machen und diese online präsentieren. In dem Maße, in dem wir bereit sind, Gelder für die entsprechenden Berufsgruppen einzuplanen wird sicherlich auch deren Bereitschaft wachsen, sich gelegentlich ehrenamtlich einzubringen. Wenn wir endlich aufhören, Öffentlichkeitsarbeit und Außenwirkung unserer Kirchgemeinden als Nebensache zu betrachten, die sich von selbst erledigt, dann können wir anfangen gezielt Menschen dafür zu gewinnen und Spenden dafür zu sammeln. In fast jedem Kirchenvorstand finden sich ein oder mehrere Bauexpertinnen. Wann bemühen wir uns ebenso um Social Media Expertinnen?
  3. Wir müssen lernen den Blick für neue Zielgruppen nicht zuletzt unter unseren eigenen Kirchengliedern zu öffnen!
    Wenn ich hier davon schreibe, dass die Öffentlichkeitsarbeit und Außenwirkung unserer Kirche mehr Ressourcen braucht, dann ist mir zugleich auch schmerzlich bewusst, dass wir derzeit Strukturreformen durchlaufen, die uns bedingt durch demographische Entwicklung und Mitgliederschwund dazu zwingen, unsere Angebote mit weniger Ressourcen zu gestalten.
    Mir ist bewusst, dass es gerade in dieser Zeit schwer ist, für Arbeitsbereiche zu werben, die deutlich mehr Aufmerksamkeit und Investitionen benötigen. Darüber, dass eine gute Öffentlichkeitsarbeit und offensivere missionarische Ausrichtung unserer Kirche helfen kann, dem Mitgliederschwund entgegen zu wirken ist bereits viel geschrieben worden. Mir erscheint es wichtig, auch darauf hinzuweisen, dass wir in den Strukturdebatten häufig auf unsere traditionellen Angebote und damit auf eine kleine Schar an aktiven Kirchenmitgliedern, die sogenannte „Kerngemeinde“ fixiert sind. Eine gute Öffentlichkeitsarbeit sollte diese Fixierung aufbrechen und den Blick auf die ganze Gemeinde und damit viel stärker auch auf die vielen Kirchenglieder, die unsere Angebote finanzieren, aber bislang kaum nutzen richten.
  4. Wir müssen unsere Angebote stärker Evaluieren und Ressourcen auch gezielter einsetzen!
    Jedes Jahr machen wir die sogenannte „Statistik 2“, bei der Gottesdienstbesucherinnen, Konfirmandinnenzahlen etc. abgefragt werden. Interessanter Weise spielen hier Zugriffszahlen auf Internetseiten oder Social Media Profile, Zahlen von Followern, Abonnenten und Freunden unserer Online- Angebote noch keine Rolle. Leider bleibt die Erhebung der Zahlen in der Regel auch ohne Konsequenzen. Können wir uns eine Kirche vorstellen, in der wir uns konsequent Ziele Stecken, Angebote nach ihrem Erfolg bewerten und wenn nötig auch verändern? Wie wäre es, wenn der Kirchenvorstand eine Krisensitzung einlegen würde, weil die Konfirmandinnenzahlen hinter den Zahlen der Jugendlichen im Konfirmandinnenalter in der Gemeinde und im Ortsteil zurück bleiben? Wenn die Gemeinde von Twitter auf Instagramm wechselt, weil dort mehr junge Familien zu erreichen sind…
  5. Wir sollten den biblischen Wert des Teilens auch für Online Angebote wiederentdecken! Wir brauchen eine kirchliche Open Source und Creative Commons- Kultur.
    Die biblische Botschaft, dass teilen nicht ärmer, sondern reicher macht gilt um so mehr für die digitale Welt. Jesus hat im Wunder der Speisung der 5000 gezeigt, wie viel man mit Gottvertrauen und konsequentem Teilen erreichen kann. Dies gilt umso mehr im Online Bereich und in sozialen Netzwerken! Wo können wir uns gegenseitig helfen, unseren Social Media Auftritten größere Reichweite zu verschaffen? Wo können wir einmal erstellte Inhalte, Bilder, Videos, Texte, oder sogar Programmcode noch konsequenter für alle zur Verfügung stellen? Wie wäre es, mit einer Internetplattform für christliche Bilder und Videos, die von allen verwendet werden können? Oder wie wäre es mit einer kirchlichen Modellagentur, in der sich Menschen ehrenamtlich bereit erklären für die Kirche ihr Gesicht zu zeigen? Neue Herausforderungen brauche neue Ideen und vor allem auch neue Formen der Zusammenarbeit und des Teilens!


Eine kleine Weihnachtsgeschichte

3 Lichtelmacher, das bedeutet 3 Brüder, die von ihrem Vater eine Kerzenfabrik geerbt haben gerieten in einen Streit.

Sie konnten sich nicht einigen, welche Kerzen am wichtigsten sind für ein gelingendes Weihnachtsfest. Der eine bestand darauf, hauptsächlich Adventskerzen zu produzieren, schließlich sei der Advent und die gute Vorbereitung, die Besinnlichkeit und die kleinen Momente der Ruhe auch schon auf dem Weg am wichtigsten für das Gelingen des Weihnachtsfestes. Der zweite stritt für Baumkerzen, diese stünden doch für die Tradition, die doch gerade für Weihnachten so wichtig sei. Für den dritten kamen nur Pyramidenkerzen in Frage, denn erst die gleichmäßige Bewegung der Krippenfiguren schaffe Ruhe und Besinnlichkeit.

Und so stritten sie die ganze Adventszeit lang. Jeder beharrte auf seinem Standpunkt und produzierte nur seine Sorte Kerzen. Über ihrem Streit merkten sie gar nicht, wie die Tage vergingen und so wurde es ganz schnell und überraschend Weihnachten. Erst als das letzte Geschäft geschlossen hatte merkten die drei Brüder, dass sie etwas entscheidendes vergessen hatten. Sie hatten im ganzen Haus keine Streichhölzer und kein Feuerzeug mehr. So sehr sie auch suchten, sie konnten nichts finden, das sich zum Kerzen anzünden eignen würde. Und so blieb das Feuer im Kamin aus, ebenso wie die Kerzen am Adventskranz, die Baumkerzen und die Pyramidenkerzen. Im ganzen Haus blieb es dunkel und kalt.

Während die drei Lichtelmacher noch stritten, wessen Schuld es denn nun sei, dass kein Feuer im Haus wäre fingen die Kirchenglocken an zu läuten. Da beschlossen sie zur Kirche zu gehen. Doch als sie dort ankamen war der Gottesdienst lange schon zu Ende. Der Pfarrer war gerade dabei die Kerzen zu löschen. Nur ein kleines Teelicht in der Krippe brannte noch. Es sollte das Jesuskind symbolisieren, weil Jesus von sich gesagt hatte: „Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wir das Licht des Lebens haben. (Joh 8,12)“ Die drei Lichtelmacher erzählten dem Pfarrer von ihrem Streit und, dass sie kein Feuer im Haus hatten und baten ihn, dass Teelicht mitnehmen zu dürfen. Der Pfarrer sah nach den vielen Weihnachtsgottesdiensten etwas müde aus, aber als der die drei Brüder sah richtete er sich auf, kniff kurz die Augen zusammen, schaute die drei intensiv an und zog dann die Augenbrauen hoch uns sprach: „Denkt daran, Jesus Christus hat auch gesagt, Ihr seid das Licht der Welt. IHR!!! Ist Euch schon mal aufgefallen, dass das ein Plural ist. Nicht Du, sondern IHR steht dort. Das Teelicht könnt ihr gerne mitnehmen. Aber das Glas darum lasst bitte hier.“

Die drei Brüder bedankten sich eifrig. Der Pfarrer lächelte. Erst als sie draußen waren wurde ihnen bewusst, dass ein großer Sturm aufgezogen war. Ohne das Glas war es fast unmöglich, das Teelicht brennend nach Hause zu bringen. Sie dachten nochmal an die Worte des Pfarrers und dann beschlossen sie, sich zu versöhnen und sich ganz eng zusammenzustellen und das Licht gemeinsam von allen Seiten zu schützen und es Schritt für Schritt nach Hause zu bringen.

Als sie so zu Hause angekommen waren zündeten sie die Adventskerzen, die Baumkerzen und die Pyramidenkerzen an. Es wurde hell im Haus. Und sie beschlossen das Licht in ihrem Dorf weiterzugeben.

Erklärung aus dem Stadtökumenekreis #Leipzig zur aktuellen #Asyldebatte

 Gemeinsame Erklärung aus dem Stadtökumenekreis Leipzig 

Mitglieder des Stadtökumenekreises Leipzig geben folgende Erklärung bekannt. Die Unterzeichnenden finden Sie unter der Erklärung. 

„Mit großer Sorge betrachten wir die derzeitigen Entwicklungen in der Asyldebatte. 

Wir stellen fest: Schon im Sprachgebrauch werden Menschenrechte immer mehr abgewertet. Menschen, die auf der Flucht vor Hunger, Krieg, Folter und Vergewaltigung ihr Leben riskieren, wird ihre Not abgesprochen, wenn PolitikerInnen zynisch von „Asyltourismus“ und „Shuttleservice“ sprechen. Immer häufiger ist verallgemeinernd die Rede von „Migration“, wo es um das Recht auf Asyl und den Schutz von Leben geht. 

Das Schicksal der einzelnen geflüchteten Frauen, Männer und Kinder wird ver-drängt, wenn mit Worten wie „Flüchtlingswelle“ oder „Flüchtlingsstrom“ Ängste vor einer bedrohlichen Masse geschürt werden. 

Diese Entwicklungen tragen systematisch zur Entsolidarisierung mit Geflüchteten und zur Eingrenzung des Geltungsbereiches der Menschenrechte bei. Dies zeigt sich auch in der aktuellen Politik. 

Wir möchten mit Nachdruck darauf hinweisen, dass die Menschenrechte nicht eingrenzbar oder verhandelbar sind. Für wen sie gelten, darf niemals Teil der öffent-lichen Meinungsdiskussion werden! Die Menschenrechte haben für alle Menschen gleichermaßen zu gelten! 

Notleidenden Menschen haben wir mit Mitgefühl und Menschlichkeit zu begegnen! Das beginnt mit unserer Sprache und wird konkret in solidarischem Handeln. 

Wir rufen ChristInnen, PolitikerInnen, alle Menschen auf, die Würde des Menschen in Sprache und Handeln zu achten.“ 

Aus dem Stadtökumenekreis Leipzig 

Elke Bucksch, Pfarrerin an der Evangelisch Reformierten Kirche zu Leipzig 

Thomas Diekmann, Gemeindeleiter Baptistengemeinde Leipzig 

Friedbert Fröhlich, Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche in Leipzig 

Gregor Giele, Dekan und Propst der katholischen Propsteigemeinde Leipzig 

Martin Henker, Superintendent, Ev.-Luth. Kirchenbezirk Leipzig 

Sebastian Keller, Pfarrer im Ev.-Luth. Kirchenbezirk Leipzig 2 / 2 

André Krause, Pastor der Baptistengemeinde Leipzig 

Armin Luhmer, alt-katholischer Pfarrer für die Gemeinde in Sachsen 

Alexei Tomjuk, Erzpriester der russisch-orthodoxen Gemeinde Leipzig 

Hier meine letzte Predigtgeschichte…

Predigt zu Joh 16,23-33

Seit Herr P. seine neue Stelle als Teamleiter angetreten hatte, war er wirklich im Stress. Während seine Mitarbeiter – kaum zu Überstunden bereit – pünktlich in den Feierabend und in das Wochenende gingen, hatte er nun die Verantwortung, dass alles funktioniert und rechtzeitig fertig wird. So saß er oft lange im Büro und versuchte alleine nachzuarbeiten. „Hier meine letzte Predigtgeschichte…“ weiterlesen